1. Die Bilanz von Tim Cook (2011 bis September 2026)
Die 15 Jahre von Tim Cook als Vorstandschef sind objektiv eine der finanziell erfolgreichsten Amtszeiten der Unternehmensgeschichte, auch wenn sein letztes Jahr erhebliche strukturelle Schwachstellen offengelegt hat.
Was für ihn spricht
Finanzielle Schlagkraft: Cook hat Apple in eine Maschine zur Erzeugung von Barmitteln verwandelt. Selbst im zweiten Quartal 2026 erzielte Apple 111,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Dienstleistungsgeschäft: Cook hat Apple erfolgreich vom reinen iPhone-Verkauf gelöst. Der Bereich Services mit App Store, iCloud und Apple Music erreichte zuletzt einen Rekord von 31 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal.
Rückflüsse an die Aktionäre: Cook war gegenüber dem Kapitalmarkt außergewöhnlich freundlich und hat zuletzt ein weiteres Rückkaufprogramm über 100 Milliarden Dollar genehmigt, womit die gesamte Rückkaufkapazität auf beispiellose 164 Milliarden Dollar steigt.
Was gegen ihn spricht: die Schwierigkeiten der späten Amtszeit
Der blinde Fleck bei KI: Cooks Führungsmannschaft wurde vom Aufstieg der generativen KI überrascht. Wiederholte Verzögerungen beim Siri-Rollout haben intern und extern Fragen zur Umsetzungsgeschwindigkeit von Apple aufgeworfen.
Schwachstellen in der Lieferkette: Trotz Cooks Ruf als Meister der Lieferkette ist Apple bei Speicher strukturell von externen Zulieferern abhängig. Weil KI-Rechenzentren die weltweiten Speicherkosten treiben, musste Apple die Preise für Macs und iPads zweistellig erhöhen, ein drastischer Schritt, den das Unternehmen selbst in der COVID-19-Krise vermieden hat.
Geopolitik und Sicherheit: Das Unternehmen befindet sich derzeit in der unangenehmen Lage, bei der Trump-Administration für den Bezug von DRAM bei CXMT zu werben, einem chinesischen Hersteller auf der Sanktionsliste des Pentagon. Zudem führten die Bemühungen, die Fertigung nach Indien zu verlagern, zuletzt zu einem großen Datenleck beim Zulieferer Tata Electronics, was dem Ruf von Apple im Datenschutz geschadet hat.
2. Der neue CEO: John Ternus (September 2026 bis heute)
Ist Ternus eine „gute“ Wahl?
Markt und Kundschaft werden genau hinsehen. Er übernimmt ein Unternehmen mit einer tadellosen Bilanz, aber mit schweren operativen Baustellen. Um als „guter“ Vorstandschef zu gelten, muss Ternus dreierlei leisten:
Den Rückstand bei KI aufholen: Die verzögerten Siri-Funktionen ausliefern und zeigen, dass Apple mit Microsoft, Google und OpenAI mithalten kann.
Die Speicherfrage lösen: DRAM und Speicher sichern, ohne auf sanktionierte chinesische Anbieter zurückzugreifen oder große Preiserhöhungen an die Kundschaft weiterzugeben.
Die Lieferkette absichern: Die Folgen des Datenlecks bei Tata Electronics aufarbeiten und die Verlagerung der Fertigung nach Indien und Vietnam reibungslos gestalten.
Fazit
War Tim Cook ein guter CEO? Ja. Er beherrschte Finanzsteuerung, den Ausbau des Ökosystems und die Skalierung meisterhaft. Er hat Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht.
Ist die aktuelle Führung gut? Sie steht derzeit unter erheblichem Druck. Der Übergang zu John Ternus spiegelt eine notwendige Kurskorrektur. Die Führung von Apple hat die Mittel und die Marktmacht, um die aktuellen Belastungen bei KI und Lieferkette zu überstehen, doch der Ruf tadelloser Umsetzung hat 2026 deutlich gelitten.