Das Cycle-Rating – Einstieg und Ausstieg mit System

Cycle-Rating: günstig oder teuer gegen die eigene Historie, nicht gegen Peers.

Klassische Analyse
Das Cycle-Rating – Einstieg und Ausstieg mit System

Das Cycle-Rating beantwortet: Ist die Aktie gerade günstig oder teuer – gemessen an sich selbst? Nicht vs. Index, nicht vs. Peers. Relative Bewertung gegen die eigene Historie derselben Aktie.

Welche Multiples

Kombiniert werden Kurs‑Gewinn (KGV), Kurs‑Buchwert (KBV), Kurs‑Umsatz (KUV), Kurs‑Cashflow, Verschuldung und Dividendenrendite. Jede Größe wird in der eigenen Zeitreihe eingeordnet: historisch günstige Zone vs. historisch teure Zone. Daraus entsteht ein Wert 0–100. Höher = relativ günstiger Bereich, niedriger = relativ teuer.

Wie lese ich die Signale?

  • ab 66: historisch günstig – Aufstocken prüfen, neue Positionen bevorzugen.
  • 33–65: Neutral – Halten/selektiv.
  • unter 33: historisch teuer – Gewinne sichern/reduzieren erwägen.

Im Leeway-Score

Das Cycle-Rating ist ein Drittel des Leeway-Score, gleichgewichtet mit Business-Rating (Geschäftsqualität) und Market-Fit-Rating (Fundamentallage). Timing verbessert ein gutes Setup – es ersetzt Qualität nicht.

Grenzen

  • Niemals isoliert: ein günstiger Zyklus bei schwachem Geschäftsmodell ist kein Kaufargument.
  • Strukturelle Brüche (Geschäftsmodell ändert sich) machen die eigene Historie weniger aussagekräftig – dann zuerst das Business-Rating lesen.
  • Signale sind probabilistisch. Staffeln Sie Ein‑ und Ausstiege.

Wie der Wert entsteht, am Beispiel SAP SE

Kein Live-Score – die Rechnung dahinter.

Für SAP SE fragt das Cycle-Rating nicht „ist SAP billiger als Microsoft?“, sondern: steht SAP gerade günstig oder teuer gegenüber SAP selbst?

Dafür werden täglich sechs Verhältniszahlen berechnet: KGV, Kurs-Cashflow, KBV, KUV, Preis zu Verbindlichkeiten und Dividendenrendite. Jeder Tageswert bekommt seinen Rang in der gesamten eigenen Historie der Aktie, nicht gegen die Branche, sondern gegen alles, was diese Aktie selbst je hatte. Liegt das KGV höher als an 80 % aller vergangenen Tage, ist es teuer. Die Dividendenrendite wird umgekehrt gelesen: hohe Rendite heißt günstig.

Die sechs Ränge werden gleichgewichtet gemittelt und umgedreht: hoher Cycle-Rating = historisch günstig, niedriger = historisch teuer. Drei Details, die den Wert ehrlich halten:

  • Mindestens vier der sechs Kennzahlen müssen vorliegen, sonst gibt es für diesen Tag keinen Wert.
  • Verlustjahre werden nicht ausgeblendet: negatives KGV und negativer Kurs-Cashflow werden vor dem Rangvergleich definiert am teuren Ende einsortiert, nicht stillschweigend übersprungen.
  • Sind die jüngsten Daten älter als 14 Tage, wird gar kein Wert ausgegeben statt eines veralteten.

Ohne starkes Business-Rating ist ein günstiger Zyklus kein Kaufargument. Ist das Geschäftsmodell gebrochen, ist die eigene Historie weniger wert, dann zuerst Business-Rating lesen.

Zuerst Business-Rating: Kontext, Reasoning, Fact-check

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