Leeway Research

Aktienthese 16 Min.

Die KI-Plattformen fallen als Käufer eigener Aktien aus

Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle stecken ihr Geld in Rechenzentren statt in Aktienrückkäufe. Damit schwächt sich die wichtigste Stütze hoher Bewertungen im US-Index ab. Anleger werden für dieselben Gewinne weniger zahlen.

Die Einschätzung entsteht im Austausch mehrerer Modelle sowie durch laufende Faktenprüfung und Recherche. Zum Verfahren

Jahrelang haben die größten US-Plattformen ihren freien Cashflow in Aktienrückkäufe gelenkt und so den Index gestützt, den sie selbst dominieren. Jetzt fließt dieses Geld in Rechenzentren, Strom, KI-Chips und langfristige Mietverträge. Verdient der Ausbau nur eine gewöhnliche Rendite, wachsen die Gewinne weiter, aber Anleger zahlen für jeden Dollar Cashflow weniger.

Die These auf einen Blick

  • Die Investitionen erreichen den Cashflow. Von April bis Juni 2026 wiesen Alphabet und Amazon nach Investitionen einen negativen freien Cashflow aus. Bei Meta blieb nach Leasingzahlungen fast nichts. Microsoft verdiente trotz 41 Mrd. US-Dollar Investitionen noch 19,6 Mrd. US-Dollar freien Cashflow.
  • Die Aktienzahl zählt, nicht die Ermächtigung. Alphabet und Meta haben in einzelnen Quartalen gar keine Aktien zurückgekauft. Bei Alphabet und Amazon ist die Aktienzahl in den vier Quartalen bis Juni 2026 um je 0,9 % gestiegen, bei Microsoft nur um 0,1 % gesunken.
  • Drei Kräfte drücken auf die Bewertung. Weniger Rückkäufe, mehr neue Aktien und Staatsanleihen mit positiver Realrendite bieten eine Alternative.
  • Der Gewinn verdeckt das Problem. Investitionen drücken sofort den freien Cashflow, im Gewinn erscheinen sie erst über Abschreibungen. Microsoft kostet das 30-Fache seines Gewinns, aber das 60-Fache seines freien Cashflows.

Rückkäufe werden selektiver

Der Gesamtmarkt kauft weiter Aktien zurück. Ob die kapitalintensivsten KI-Investoren im nächsten Abschwung noch kaufen, hängt von ihrem freien Cashflow und ihrer Kreditqualität ab.

Neue Aktien finden weniger Abnehmer

Börsengänge, Aktienvergütung, Kapitalerhöhungen und Übernahmen gegen Aktien können die Rückkäufe aufwiegen, selbst wenn diese hoch bleiben.

Neues Geld hat Alternativen

Staatsanleihen mit positiver Realrendite und gestärkte Sparprogramme in Japan, Großbritannien und Europa sorgen dafür, dass neue Anlagegelder stärker auf den Preis achten.

Die Analyse

Wer nimmt die neuen Aktien auf, wenn die größten Indexunternehmen weniger eigene Aktien einziehen? Indexfonds und betriebliche Altersvorsorge stabilisieren die Nachfrage. Einen Käufer, der über Jahre Aktien aus dem Markt nimmt, ersetzen sie nicht.

Für 2026 wurden die Investitionen der fünf großen Hyperscaler auf 700 bis 725 Mrd. US-Dollar geschätzt, bei zusammen 600 bis 750 Mrd. US-Dollar operativem Cashflow.1 Investieren wollen die Plattformen. Knapp wird der freie Cashflow nach Investitionen, Leasing und Finanzierung.

Neue Aktien aus Börsengängen, Aktienvergütung und Übernahmen brauchen deshalb Käufer, die auf den Preis achten. Staatsanleihen mit positiver Realrendite bieten diesen Käufern eine Alternative. Der Markt gleicht das über einen niedrigeren Preis je Dollar Cashflow aus.

Das Argument

Die Aktienzahl zeigt mehr als die Ermächtigung

US-Unternehmen kaufen insgesamt weiter Aktien für fast eine Billion US-Dollar pro Jahr zurück. Apple, Banken und kapitalleichte Unternehmen bleiben große Käufer. Für den Index zählt aber der Teil des Marktes, der zugleich die höchsten Bewertungen und den größten Investitionsbedarf hat.

Alphabet und Meta haben in einzelnen Quartalen keine Aktien zurückgekauft, während ihre Investitionen stark stiegen. Amazon und Oracle kaufen ohnehin wenig zurück.3 Aussagekräftig ist daher, ob die verwässerte Aktienzahl nach Aktienvergütung sinkt. Eine hohe Ermächtigung bei gleichbleibender Aktienzahl stützt den Kurs nicht.

Kapitalströme bestimmen das Tempo

Kapitalströme bestimmen die Geschwindigkeit. Kapitalrendite, freier Cashflow und Kreditfähigkeit bestimmen die Richtung.

Ob die Bewertung sinkt, entscheiden Kapitalrendite, freier Cashflow und Kreditfähigkeit. Kapitalströme bestimmen, wie schnell. Die Forschung zu preisunelastischen Märkten zeigt, dass schon kleine Nettoflüsse kurzfristig große Kursbewegungen auslösen.6 Arbitrage, Rebalancing und neue Käufer halten dagegen, deshalb lässt sich dieser Effekt nicht über ein Jahrzehnt fortschreiben.

Nach einer fundamentalen Enttäuschung verstärken Volatilitätssteuerung, Trendfolger, gehebelte ETFs und Optionsabsicherungen die Bewegung.10 Sie bestimmen, wie scharf ein Rückgang ausfällt. Auslösen würde ihn eine schwächere Rendite des KI-Ausbaus oder ein engerer Kreditmarkt.

Die Plattformen werden kapitalintensiv

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Die Größenordnung von April bis Juni 2026 in Mrd. US-Dollar; bei Microsoft ist das Q4 GJ 2026, bei Oracle das Geschäftsjahr bis Mai 2026:211

UnternehmenZeitraumInvestitionenOperativer CashflowFreier Cashflow
MicrosoftApr.–Juni 202641,0 (inkl. 5,6 Finanzierungsleasing)55,419,6
AlphabetApr.–Juni 202644,939,1−5,8
MetaApr.–Juni 202631,131,90,8 (nach Leasing)
AmazonApr.–Juni 202654,2–−8,8
OracleJuni 2025–Mai 202655,732,0−23,7

Ein enges Oligopol kann auf Rechenleistung, Strom und Kundenzugang hohe Renditen erzielen. Die Zahlen zeigen aber, dass sich der Charakter der Plattformen ändert: Für den Spielraum bei Rückkäufen zählen jetzt Finanzierung und Ersatzinvestitionen mehr als die Ermächtigung.

Die These ist falsch, wenn die Investitionen nach Ersatzinvestitionen und Stromkosten dauerhaft deutlich mehr als ihre Kapitalkosten verdienen, der freie Cashflow steigt und die Aktienzahlen bis 2028 oder 2029 ohne zusätzliche Schulden wieder sinken.

Demografie wirkt spät und über Erben

Für ab 1960 Geborene beginnen die Pflichtentnahmen aus US-Altersvorsorgekonten erst mit 75 Jahren, also zwischen 2035 und 2039.4 Entnahmen können zudem in Wertpapieren erfolgen oder auf ein IRA-Konto übertragen werden. Eine Pflichtentnahme ist daher nicht automatisch ein Aktienverkauf.

Stärker wirkt der Erbfall. Weil beim Erben der steuerliche Einstandswert angehoben wird, verkaufen Anleger stark gestiegene Aktien selten vor ihrem Tod. Erben dagegen streuen konzentrierte Bestände und müssen geerbte IRA-Konten innerhalb von zehn Jahren auflösen. Das begrenzt, wie hoch die Bewertung nach einer Erholung steigen kann.

Bewertung: Gewinn gegen Cashflow

Gewinnbasierte Kennzahlen unterschätzen das Problem. Die Investitionen fließen sofort aus der Kasse ab, im Gewinn erscheinen sie erst über Jahre als Abschreibungen. Diese Analyse misst die Bewertung deshalb am freien Cashflow und an der Aktienzahl, beides aus berichteten Zahlen. Microsoft, der kapitalstärkste der fünf Konzerne:12

KennzahlMicrosoft
Börsenwert, 15. Oktober 20264,02 Bio. US-Dollar
Freier Cashflow, Geschäftsjahr bis Juni 202667,0 Mrd. US-Dollar
KGV auf berichteten Gewinn30
Kurs zu operativem Cashflow22
Kurs zu freiem Cashflow60
Veränderung der Aktienzahl im Geschäftsjahr−0,1 %

Anleger zahlen bei Microsoft das Doppelte für einen Dollar freien Cashflow wie für einen Dollar Gewinn. Bei den anderen Plattformen zeigt sich der Rückzug des Käufers schon in der Aktienzahl: Bei Alphabet und Amazon steigt sie, weil die Rückkäufe die Aktienvergütung nicht mehr ausgleichen. Bei Meta und Amazon ist der freie Cashflow 2025 bereits gefallen.12

Von April bis Juni 2026 war der freie Cashflow bei Alphabet und Amazon bereits negativ, bei Oracle im gesamten Geschäftsjahr bis Mai 2026.

UnternehmenFreier Cashflow, letztes Geschäftsjahr (Mrd. US-Dollar)Vorjahr (Mrd. US-Dollar)Aktienzahl, vier Quartale bis Juni 2026
Microsoft (Geschäftsjahr bis Juni 2026)67,071,6−0,1 %
Alphabet (2025)73,372,8+0,9 %
Meta (2025)46,154,1−0,2 %
Amazon (2025)7,732,9+0,9 %

Die Lücke zwischen Gewinn- und Cashflow-Bewertung schließt sich auf einem von zwei Wegen: Der freie Cashflow holt auf, weil die Investitionen hohe Renditen bringen, oder der Kurs passt sich an. Im Basisszenario geschieht beides teilweise. Die Plattformen wachsen weiter, der Markt zahlt aber je Dollar Cashflow weniger als heute, und die Rückkäufe bleiben dünn.

In einem Kredit- oder Nutzungsschock fällt der Kurs schneller, als der Cashflow nachziehen kann. Im Oligopolfall holt der Cashflow den Kurs ein, und die Rückkäufe kehren zurück.

Ausländische Anleger sichern ihre Dollarpositionen bereits stärker ab, ohne US-Aktien zu verkaufen.7 Ein schwächerer Dollar kann dem Bewertungsrückgang daher vorausgehen.

Die Anlageauswahl

Die strukturelle Position und die Leeway-Ratings bewerten verschiedene Dinge.

Das Portfolio setzt auf eine relative Verschiebung: Japan und gleichgewichtete US-Aktien gegenüber dem konzentrierten Index, Börsen und Market Maker, die an Handel und Absicherung verdienen, und eine begrenzte Short-Position am kreditfinanzierten Ende des KI-Ausbaus.

BausteinPositionRichtungRolle in der These
Japan kauft eigene AktienNEXT FUNDS TOPIX ETF (1306.T)LongSteigende Rückkäufe und Ausschüttungen bei niedrigerer Ausgangsbewertung
Weniger IndexkonzentrationS&P 500 Equal Weight (RSP) gegen Nasdaq-100 (QQQ)Long RSP, Short QQQGleichgewichtung gewinnt, wenn die größten Plattformen weniger Aktien einziehen
Kreditfinanzierte KI-KapazitätCoreWeave (CRWV)ShortAuslastung, GPU-Restwert, Refinanzierung und Kundenkonzentration müssen gleichzeitig gut laufen
MarktinfrastrukturJapan Exchange Group (8697), Cboe (CBOE), CME Group (CME), Flow Traders (FLOW)LongVerdienen an Handel, Absicherung und Liquidität, unabhängig von der Marktrichtung
FiskalrisikoiShares Physical Gold ETC (SGLN)LongAbsicherung gegen anhaltende Defizite und eine schwächere Rolle des Dollars

Die These bewertet einen Treiber über mehrere Jahre. Die Leeway-Ratings bewerten Geschäftsqualität, aktuelle Fundamentaldaten und die Bewertung im historischen Vergleich. Wo beide auseinanderliegen, nennen wir den Grund und die Bedingung, unter der wir den Ratings folgen würden.

Das Business-Rating bewertet die Qualität des Geschäftsmodells, unabhängig vom Aktienkurs. Das Market-Fit-Rating bewertet anhand von achtzehn fundamentalen Kennzahlen, wie gut das Unternehmen derzeit zum Markt passt; ein negativer Wert weist auf eine erwartete negative Wertentwicklung hin. Das Cycle-Rating setzt die Bewertung in den historischen Kontext der Aktie: Ein höherer Wert bedeutet, dass die Aktie historisch günstiger bewertet ist. Der Leeway-Score führt die drei Ratings zu gleichen Teilen zusammen. Wie die Ratings berechnet werden

Die Empfehlungen seit der Veröffentlichung

Seit der Veröffentlichung dieser Analyse sind noch nicht genügend Handelstage vergangen, um eine konsistente Wertentwicklung zu berechnen.

Japan als wachsender Firmenkäufer

Long

Steigende Ausschüttungen, Governance-Reformen und Aktienrückkäufe machen Japan zum Gegenbild eines Marktes, in dem die Unternehmensseite an Bedeutung verliert.

NEXT FUNDS TOPIX ETF

1306.T

Long

Rolle in der These: Kernallokation in einen Markt mit steigenden Rückkäufen und Ausschüttungen.

Anlagethese: Japanische Governance-Reformen und eine niedrigere Ausgangsbewertung schaffen auf Unternehmensseite einen anderen Gegenpol als der kapitalintensive US-Technologiesektor.

Was die These widerlegen würde: Die These wird schwächer, wenn der Abbau von Kreuzbeteiligungen mehr Angebot freisetzt, als Rückkäufe aufnehmen, oder wenn der Yen die Gewinnentwicklung der Exporteure abrupt belastet.

Position und Beobachtungspunkte

Position: Als mehrjährige Japan-Allokation oder gegenüber einem betaangepassten US-Index-Short einsetzen; Währungsrisiko nur teilweise absichern.

Worauf Sie achten sollten: Achten Sie auf Rückkaufankündigungen, Ausschüttungsquoten, NISA-Anlagen im In- und Ausland sowie auf die Politik der Bank of Japan.

Hauptrisiko: Ein stärkerer Yen, eine restriktivere Bank of Japan oder ein Rückfall bei der Governance können die relative These belasten.

Ihr Wissensvorsprung

Verstehen Sie die wahren Treiber unseres Portfolios

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen: Sehen Sie nicht nur, was wir kaufen, sondern warum. Sichern Sie sich den kompletten Überblick über unsere Strategie.

  • Alle Positionen aufgedeckt: Greifen Sie auf jeden einzelnen Wert unseres Portfolios zu.
  • Die Investmentthese verstehen: Erfahren Sie, welche exakte Rolle jeder Titel für unsere Rendite spielt.
  • Zusammenhänge erkennen: Analysieren Sie unsere Long- und Short-Strategien im direkten Kontext.

Die Abfolge der Beweise

Nicht jeder Termin ist gleich wichtig. Zuerst entscheidet sich, ob der Firmenkäufer schwächer wird; erst danach wird die langfristige Demografie relevant.

ZeitraumWas passiertWas es für das Portfolio bedeutet
Ende 2026 bis 2027Die Hyperscaler legen Investitionsbudgets, Rückkäufe, Aktienzahlen und neue Miet-, Kredit- oder Joint-Venture-Verträge offen.Sinkt die Aktienzahl trotz Rückkäufen nicht, fallen die Plattformen als Käufer aus.
2027 bis 2028Börsengänge, auslaufende Haltefristen und die Finanzierung von Rechenzentren treffen auf die erste Prüfung von KI-Auslastung und Kreditspreads.Ein Kreditereignis oder fallende Mietpreise wären ein plausibler Auslöser. Systematische Strategien verstärken die Bewegung.
2028 bis 2030Die Investitionen von 2024 bis 2027 müssen erstmals ersetzt werden. Abschreibungen und Cashflow aus der neuen Kapitalbasis werden sichtbar.Hier entscheidet sich, ob die Plattformen eine Oligopolrendite verdienen oder niedriger bewertet werden.
2035 bis 2050Neue Pflichtentnahmen, geerbte IRA-Konten und Streuung durch Erben erhöhen den Bedarf an laufenden Erträgen.Die Demografie begrenzt, wie hoch die Bewertung nach einer Erholung steigt. Einen kurzfristigen Ausverkauf löst sie nicht aus.

Drei mögliche Verläufe

Die Wahrscheinlichkeiten sind Arbeitsannahmen für die Allokation, keine Vorhersagen.

PfadGewichtungWas passiert
KI wird ein enges Oligopol 25 % Nutzung und Preissetzung tragen Kapitalrenditen klar über den Kapitalkosten. Freier Cashflow und Aktienrückkäufe der Hyperscaler steigen bis 2028 oder 2030 wieder, die Verschuldung bleibt beherrschbar und der US-Index hält hohe Multiples.
Die Kapitalrendite normalisiert sich 50 % KI bleibt nützlich, doch der Überschuss verteilt sich zwischen Kunden, Lieferanten, Arbeit und Staat. Aktienrückkäufe der kapitalintensiven Plattformen bleiben dünn, neues Angebot wird relevanter und das US-Multiple sinkt über Jahre in Richtung 16 bis 19.
Kredit und Angebot treffen auf schwächere Nutzung 25 % Mietpreise oder Auslastung enttäuschen, der Kredit für Rechenzentren wird teurer und neue Aktien kommen in einen schwächeren Markt. Konzentrierte Indizes können dann deutlich stärker fallen als der breite Markt, bevor sich das Multiple bei 13 bis 15 einpendelt.

Gegenargumente und Risiken

Diese Argumente ergeben sich aus Stresstests unserer fundamentalen Annahmen.

Das stärkste Gegenargument: Die KI-Ausgaben sind gerade deshalb so hoch, weil die führenden Plattformen einen breiten Wettbewerbsvorsprung haben. Vertrieb, Daten, eigene Anwendungen und Zugang zu Strom begrenzen die Konkurrenz. Dann ist der schwache freie Cashflow vorübergehend: Die Umsätze steigen, die Hardware wird besser ausgelastet und die Rückkäufe kehren zurück.

Auch die globale Sparnachfrage kann stärker bleiben als angenommen. Das erweiterte japanische NISA-Programm hat bisher in erheblichem Umfang ausländische Wertpapiere gekauft, nicht nur heimische.8 Automatische Teilnahme an Vorsorgeplänen, Kinderkonten und wachsende Vorsorgesysteme können den demografischen Gegenwind lange überdecken. Der eigentliche Test bleibt deshalb der freie Cashflow und die Aktienzahl der größten Unternehmen.

Ungeklärte Marktfaktoren

Offene Fragen, die sich mit den aktuell verfügbaren Marktdaten nicht abschließend bewerten lassen.

Wie stark Kapitalströme die Kurse langfristig bewegen, ist empirisch offen. Kurzfristig ist der Effekt gut belegt. Eine Formel, die aus langsam sinkenden Zuflüssen einen zehnjährigen Kursrückgang ableitet, gibt es nicht, weil sich der Markt über Preis, neue Käufer und Emissionen anpasst.

Offen ist auch die Finanzierung. Versicherer und private Kreditgeber können den KI-Ausbau länger tragen, als der Anleihemarkt allein vermuten lässt.9 Das verschiebt das Risiko in die Finanzierungskette. Sinkt die Nutzung, entstehen dort Abschreibungen und Verluste, während Strom- und Standortinfrastruktur nutzbar bleiben.

Was Anleger beobachten sollten

Diese Kennzahlen testen die These unmittelbar. Sie sind aussagekräftiger als Schlagzeilen über ETF-Zuflüsse oder das Alter einer Anlegergruppe.

  • Die verwässerte Aktienzahl von Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle nach Aktienvergütung und Kapitalerhöhungen.
  • Investitionen der Hyperscaler im Verhältnis zum operativen Cashflow, einschließlich Leasing, Joint Ventures, Abnahmeverpflichtungen und Anleihen.
  • Das US-Nettoaktienangebot nach Rückkäufen, Aktienvergütung, Börsengängen, Folgeplatzierungen und aktienfinanzierten Übernahmen.
  • Kreditspreads für KI-Infrastruktur, Rechenzentren und hoch verschuldete Cloud-Anbieter.
  • Mietpreise und Auslastung für GPU-Kapazität sowie Annahmen zur wirtschaftlichen Nutzungsdauer in den Abschreibungsangaben.
  • Die Differenz zwischen realer Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen und der Gewinnrendite des S&P 500.
  • Ausländische Dollarabsicherungsquoten, insbesondere bei europäischen, japanischen, koreanischen und taiwanischen Anlegern.
  • Ungewöhnliche Auf- und Abschläge bei ETFs und die implizite Volatilität.

Was die These widerlegen würde

Die Annahme eines niedrigeren US-Multiples muss korrigiert werden, wenn diese Bedingungen gleichzeitig und dauerhaft eintreten.

  • KI-Investitionen erzielen nach Ersatzinvestitionen und Stromkosten eine Rendite klar über den Kapitalkosten, ohne dass die Verschuldung steigt.
  • Die großen Hyperscaler senken ihre verwässerten Aktienzahlen bis 2028 oder 2029 wieder deutlich und finanzieren dies aus freiem Cashflow.
  • Neue Aktienemissionen werden bei hohen Bewertungen absorbiert, während globale Sparströme weiterhin überproportional in kapitalisierungsgewichtete US-Indizes fließen.

Quellen

Die nummerierten Verweise im Text verweisen auf diese Quellen. Die Belegboxen unter den Abschnitten ergänzen ausgewählte Stellen mit einer kurzen Lesart.

  1. Reuters, 22. Juli 2026: KI-Investitionen und freier Cashflow großer Technologieunternehmen
  2. CNBC, 28. August 2026: KI-Ausgaben und Cashflow großer Technologieunternehmen
  3. Goldman Sachs, zitiert bei TheStreet: Rückkäufe und KI-Investitionen großer Technologieunternehmen
  4. US Securities and Exchange Commission: Überblick zu SECURE 2.0
  5. Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Passive Anlagen und Wertpapiermärkte
  6. Gabaix, X. und Koijen, R.: In Search of the Origins of Financial Fluctuations: The Inelastic Markets Hypothesis, 2021
  7. Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Dollarbewegung und Währungsabsicherung, 2025
  8. Daiwa Institute of Research: Japans NISA und Wertpapierflüsse
  9. Europäische Zentralbank, Financial Stability Review, Sonderbeitrag zu Private Credit, Mai 2026
  10. Internationaler Währungsfonds, Global Financial Stability Report, April 2026
  11. Reuters, 29. Juli 2026: Microsoft-Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026; Aufschlüsselung Finanzierungsleasing
  12. Leeway-API: Börsenwert, Bewertungskennzahlen und Fundamentaldaten zu Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon, Stand 15. Oktober 2026

Wie diese Analyse entsteht

Die Einschätzung entsteht in mehreren Schritten. Unabhängige Modellfamilien beantworten dieselbe Frage getrennt und greifen die Ergebnisse anschließend an. Was hier steht, hat mehrere Runden überstanden.

  1. Zwei unabhängige Erstthesen. Dieselbe Ausgangsfrage geht an mehrere Modellfamilien, die unabhängig voneinander arbeiten. Unterschiede werden festgehalten und nicht durch Mittelwertbildung verwischt.
  2. Datierte Belege. Jede Behauptung, die auf Fakten beruht, wird in einzelne Suchfragen zerlegt und mit datierten Antworten aus dem Web und Quellenangaben beantwortet. Frage, Antwort, Quellen und Zeitpunkt werden protokolliert und bleiben nachvollziehbar.
  3. Prüfung durch Gegenpositionen. Mehrere Prüfrollen greifen die These aus verschiedenen Richtungen an: Eine sucht die stärkste Widerlegung, eine weitere sucht nach unbequemen Randfällen, eine prüft, ob sich die These überhaupt in einen Kurseffekt übersetzen lässt, und eine prüft die Zeitachse auf Widersprüche. Jede Rolle stellt eigene Fragen, die wiederum mit Belegen beantwortet werden.
  4. Zusammenführung und nächste Runde. Die bestehen gebliebenen Thesen werden zu einer These zusammengeführt und erneut angegriffen. Die Gegenposition und die offenen Fragen auf dieser Seite stammen aus diesem Schritt. Sie wurden nicht nachträglich ergänzt, damit die Seite ausgewogen wirkt.
  5. Zurück zum Anfang. Das Verfahren läuft erneut, bis ein klares Ergebnis und eine Liste handelbarer Unternehmen mit strukturellen Vorteilen stehen.

Jede Analyse kann falschliegen. Deshalb stehen Falsifikationskriterien und Gegenposition auf derselben Seite wie die These und nicht im Kleingedruckten.

Die Zahlen bei den einzelnen Unternehmen stammen nicht aus diesem Verfahren. Das Business-Rating bewertet die Geschäftsmodellqualität, das Market-Fit-Rating achtzehn Fundamentalkennzahlen gegenüber dem aktuellen Markt, das Cycle-Rating die Bewertung gegenüber der eigenen Historie. Sie sind dokumentiert unter den Leeway-Scores.

Fragen von Anlegern

Behauptet die These, dass passive Fonds den nächsten Ausverkauf verursachen?

Passive Fonds bewegen Preise über Ausgabe und Rücknahme von Anteilen. Bei Rücknahmen verkaufen sie aber anteilig nach Marktgewicht. Auslöser wäre in dieser These eine Enttäuschung bei Kapitalrendite und Kreditfähigkeit der Plattformen.5

Sind Rückkäufe nicht weiterhin nahe einer Billion US-Dollar pro Jahr?

Doch. Die These behauptet nicht, dass der Gesamtmarkt keine Aktien mehr zurückkauft. Sie fragt, ob ausgerechnet die größten und am höchsten bewerteten KI-Investoren ihre Aktienzahl noch verringern können, wenn Investitionen, Leasing und Finanzierung stärker wachsen als der freie Cashflow.

Warum ist die Demografie kein unmittelbarer Verkaufsgrund?

Eine verpflichtende Entnahme aus einem Altersvorsorgekonto ist weder zwingend ein Aktienverkauf noch ein Abfluss aus dem Kapitalmarkt. Rollovers, Sachauszahlungen, weiterhin laufende Beiträge und steuerliche Regeln verteilen den Effekt. Später können Erbschaften und geerbte IRA-Konten jedoch die Nachfrage nach Liquidität und Diversifikation erhöhen.

Die ausgewählten Unternehmen mit den drei Leeway-Ratings prüfen

Das Business-Rating bewertet die Qualität des Geschäftsmodells, das Market-Fit-Rating prüft die Fundamentaldaten im aktuellen Marktregime, und das Cycle-Rating ordnet die Bewertung in der Unternehmenshistorie ein. Prüfen Sie die einzelnen Unternehmen mit der allgemeinen Aktienanalyse von Leeway.

Bewertung von Unternehmen und Fundamentalanalyse

Die Daten werden in wöchentlichem Turnus neu berechnet und sind abhängig von dem aktuellen Marktwert des Unternehmens und den Bilanzkennzahlen des Jahresabschlusses. Der Marktwert ändert sich kontinuierlich mit Kursveränderungen, die Bilanzen werden jährlich erstellt und ändern die Bewertung massiv. Zeitpunkt des Jahresabschlusses und die verwendeten Kennzahlen sind unter "Kennzahlen" einzusehen. Weiterführende Informationen zur Funktionsweise der Analysen finden sie als Tooltip direkt an den Analysen sowie in unseren Erklärungen.

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